Was ist Selfcare - und was hat das mit meinem Zuhause zu tun?


Ich verlasse meinen Schreibtisch und bevor ich die Tür meines Büros hinter mir schließe, weiß ich: Heute war zu viel.

Nicht „zu viel“ im dramatischen Sinn. Niemand ist gestorben und nichts ist explodiert. Ich habe Termine gemacht, Gespräche geführt, Entscheidungen getroffen. Ich habe gelächelt, zugehört, reagiert. Und trotzdem ist da dieses ganz bestimmte Gefühl,

das sich nicht wegdiskutieren lässt: es ist eine gewisse Leere, ein Druck oder vielleicht eine Energielosigkeit - denn mein Körper ist schneller als mein Kopf.

Früher hätte ich wahrscheinlich gedacht: „Okay, jetzt brauche ich eine kleine Auszeit.“
Eine Tasse Kaffee - ein bisschen „me time“, damit ich halt wieder kann.

Heute weiß ich: So funktioniert das nicht.


Vielen Dank liebe Rani, für deinen Aufruf zur Blogparade mit dem Thema: "Was ist Selfcare für dich?".  Dein Impuls hat mich angeregt darüber nachzudenken, was Selfcare für mich bedeutet und wie ich es in meinem Alltag integriere. 


Selfcare ist (für mich) nicht die Sahnehaube obendrauf, wenn alles erledigt ist.

Selfcare ist die Basis, damit ich überhaupt stabil bleibe – körperlich und emotional.

Selfcare heißt, zu wissen was ich brauche, zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichen Situationen. UND die Reaktionen des Körpers zu beachten und dann auch zu reagieren.

Als introvertierte, sensible Person ist Selfcare für mich vor allem eins: Lebensnotwendig



Selfcare gab es in meinem „früheren“ Leben gar nicht

Ich dachte immer, Ruhe gönnt man sich, wenn der Tag gut gelaufen ist. Wenn alles fertig ist. Wenn ich es verdient habe.

Das Problem ist: Diesen Moment gibt es (in meiner Realität) nicht wirklich.
Es ist immer noch etwas. Eine Nachricht. Ein „Kannst du kurz…“. Ein Gedanke, der im Kopf herum spuckt. Ein ich sollte oder müsste noch …

Bei mir ist es nicht so, dass ich erst spät merke, dass ich über meine Grenzen gegangen bin.
Ich merke es früh. Oft viel früher als ich dachte.

Nur habe ich die Signale ignoriert.




Mein Körper merkt es zuerst – immer

Es gibt bei mir so typische Frühwarnzeichen. Nichts Spektakuläres, aber eindeutig, wenn ich darauf achte:

  • Ich bin lustlos und lasse mich leicht ablenken
  • Ich bin unkonzentriert, werde schneller müde
  • Ich reagiere gereizt, obwohl „grundsätzlich alles okay“ ist.
  • Mein Körper verspannt sich, es treten Schmerzen auf (das ist schon eine Steigerung)
  • Mein Schlaf wird unruhiger, ich wache nachts auf und der Kopf ist direkt „an“.

Das sind keine „Fehler“. Das sind wichtige Information, die mir mein System geben.

Mein Körper ist mein schnellster Kompass.
Er diskutiert nicht. Er hat keine schönen Ausreden. Er zeigt mir einfach: „Stopp. Das ist gerade zu viel.“

Genau da beginnt für mich Selfcare. 

Nicht als Konzept (und weil es gerade angesagt ist). Sondern als Entscheidung: Ich nehme mich ernst – mit all meinen Bedürfnissen.

Und wenn du glaubst, dass mir das von Anfang an bewusst war - überhaupt nicht - ich habe Jahre gebraucht, um diese Reaktionen einzuordnen. 




Selfcare ist für mich: Reize regulieren

Introvertiert und sensibel zu sein, wird oft falsch verstanden. Viele denken dabei an „schüchtern“ oder „nicht belastbar“. Für mich ist es eher so:

Ich bin sehr fühlend.
Ich nehme Stimmungen wahr, Details und ganz viele Zwischentöne.

Und das ist eine Stärke – aber es braucht einen Rahmen.

Wenn ich viel im Außen bin, brauche ich danach Zeit, in der ich mich wieder sortieren darf und einen Ort, an dem ich Kraft tanken kann.

Selfcare ist für mich deshalb nicht „noch mehr“.
Nicht noch ein Termin (vielleicht Wellness), nicht noch ein To-do.

Selfcare ist für mich: weniger.

Weniger Geräusche. Weniger Input. Weniger Erwartungen. Weniger „ich muss noch schnell…“. Weniger „das macht man so“.


Und jetzt kommt ein Punkt, den fast niemand auf dem Schirm hat:

Selfcare hat bei mir sehr viel mit unserer eigenen Umgebung und unseren Räumen zu tun.




Mein Zuhause ist nicht einfach eine Kulisse – es ist ein stiller Begleiter

Ich habe vor langem verstanden: Mein Zuhause wirkt. Immer. Auch wenn ich es nicht bewusst wahrnehme.

Ein Raum kann mich beruhigen – oder mein Nervensystem zusätzlich stressen.

Und wenn ich ehrlich bin: In stressigen Phasen war mein Zuhause manchmal nicht mein Rückzugsort, sondern eher ein Ort mit weiteren To-Dos.

Zu viele Dinge. Zu viel - ich muss noch aufräumen, putzen, Wäsche machen.
Kein Platz, an dem ich kurz mal runterfahren kann.

Und ich habe gemerkt: Wenn ich sensibel bin, sind das auch Reize. Und Reize kosten Energie.

Seitdem denke ich anders über Räume:
Nicht „Wie schön sind sie eingerichtet?“ sondern: „Was brauche ich und wie unterstützen sie mich?“

Der Unterschied zwischen einem guten Tag und einem anstrengenden Tag, sind nicht die erledigten Dinge.
Sondern der Ort, an dem ich ihn ausklingen lasse. Ein Ort an dem ich meine Batterien wieder laden kann.



Meine Selfcare ist meist leise 

Wenn ich Ruhe brauche und merke: Es reicht, dann benötigt das nichts Großes.

Ich brauche meistens drei Dinge:

  1. eine klare Grenze, die mich schützt
  2. einen kleinen Reset für den Körper (auch mal zwischendurch)
  3. einen gemütlichen, sicheren Raum oder Platz zum Runterfahren und Entspannen

Nicht theoretisch. Sondern ganz praktisch.

Zum Beispiel so:

Ich mache nicht „noch schnell“ irgendwas.
Ich mache etwas, das mein System runterreguliert. Manchmal ist das nur: eine Tasse Tee, kurz aufs Sofa kuscheln und aus dem Fenster in den Garten schauen, ganz bewusst durchatmen.

Ich achte nicht aufs Außen.
Ich spüre nur mich und in mich hinein.




Grenzen sind Selfcare – auch (und gerade) zu Hause

Ich arbeite seit über 30 Jahren von zu Hause und ein großer Teil meiner Selfcare ist nicht die Frage: „Was tue ich?“ Sondern: „Wovor schütze ich mich?“

Und, dass meine ich nicht abweisend. Eher wie einen Impuls.

Ich habe gelernt: Wenn ich keine Grenzen setze, setzt mein Körper irgendwann Grenzen.
Mit Erschöpfung. Mit Gereiztheit. Mit Krankheit, d. h. mit Rückzug, der dann nicht mehr freiwillig ist.

Grenzen heißen bei mir ganz konkret:

  • Handyfreie Zonen und Zeiten (zum Beispiel nicht beim Essen, nicht im Bett)
  • Räumliche Grenzen: Arbeit endet sichtbar, Tür zu oder weggeräumt.
  • Zeitgrenzen: keine Termine zu eng hintereinander, Pufferzeiten sind keine Luxuszeit.

Und ja: Auch Besuch, Familie, Freunde – das ist alles schön. Aber ich brauche es dosiert.
Nicht, weil ich Menschen nicht mag. Ich liebe meine Familie und meine Freunde. Sondern weil ich nach Nähe wieder Zeit für mich brauche.




Mein persönliches Selfcare-System: Körper, Räume, Entscheidung

Ich habe irgendwann gemerkt: Ich brauche kein kompliziertes oder teures Selfcare-Programm.
Ich brauche ein System bzw. eine Struktur, die zu mir passt.

Bei mir sind das drei Ebenen:

1) Körper – runterregeln

Wenn mein Körper „on fire“ ist, hilft es nicht darüber nachzudenken. Dann braucht es etwas Körperliches.

  • Natur: kurz raus in den Garten gehen oder einen kleinen Spaziergang
  • Wärme: Decke, Wärmflasche, Tee
  • Ruhe: weniger Geräusche, weniger Input – Radio aus und Tür zu

2) Räume – sich tragen lassen

Ich brauche mindestens einen Bereich, der mich zur Ruhe kommen und entspannen lässt.

  • einen "sicheren"  Rückzugsplatz (Sessel, Bett) evtl. mit Blick in die Natur
  • warme Atmosphäre, schöne Leuchten oder Kerzen
  • Farben und Dinge, die mich beruhigen und stärken

3) Entscheidung – Grenzen setzen

Selfcare ist auch: nicht alles möglich machen.

  • ein „Nein“ zu einem weiteren Termin
  • ein „Später“ statt sofort
  • ein „Heute nicht“ ohne Erklärung

Die stärkste Form von Selfcare ist für mich:
Nicht erst reagieren, wenn der Körper schon Alarm schlägt oder am Zusammenklappen ist.




Selfcare ist für mich liebevolle Zuwendung

Selfcare bedeutet daher für mich:

  • Ich kenne meine ganz persönlichen Bedürfnisse.
  • Ich achte auf meine (körperlichen und emotionalen) Signale und reagiere darauf.
  • Ich respektiere meine Grenzen.
  • Ich gestalte mir Räume, die mich unterstützen.
  • Und ich erlaube mir, so zu sein, wie ich bin.

Und manchmal ist das Wichtigste: Ich höre auf, mich zu verurteilen, weil ich auf mich achte.

Weil Selfcare nicht bedeutet: „Ich kriege mein Leben perfekt hin.“
Sondern: „Ich bleibe in Verbindung mit mir und sorge gut für mich.“

Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie Feng ShuiEnergie und Raumgestaltung zusammenwirken und wie du dein Zuhause gezielt stärkend ausrichten kannst, dann trag dich gern in meinen Wohlfühl-Newsletter ein.

Herzlichst

Judith

👋𝗝𝘂𝗱𝗶𝘁𝗵 𝗕𝗮𝗵𝗹𝗲 | Architektin für Räume, die Energie geben und stärken

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Bildnachweis:

Judith Bahle

Canva

 




Kommentare

  1. Liebe Judith,
    dein Artikel berührt mich sehr und spricht vieles aus, was ich als sensibler Mensch wahrgenommen, aber für mich noch nicht benannt hatte.

    Der Aspekt des Raumes kann ich super nachempfinden. Mein Raum, in dem ich mich wohl und sicher fühle, der nur für mich ist, ist so wichtig für mich und mein Wohlergehen.

    Danke fürs Aufmerksam machen.
    LG Ariane

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    1. Liebe Ariane, danke dir von Herzen fürs Lesen und teilen deiner Gedanken. Genau darum geht’s mir: Dinge, die wir längst wahrnehmen, bekommen plötzlich Worte — und damit wird es leichter, gut für sich zu sorgen. Ich wünsche dir, dass dein Rückzugsraum dich weiterhin stärkt und nährt. LG Judith

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  2. Liebe Judith,
    ich finde es schön, dass es auch noch andere Menschen gibt, die auf diese Art und Weise für sich sorgen. Es ist einfach gesagt und geschrieben, aber so schwer durchzusetzen, weil unsere Mitmenschen dafür oft Unverständnis zeigen. Dann nicht einzuknicken oder ein schlechtes Gewissen zu bekommen, ist gar nicht einfach.
    Danke für deinen klaren Beitrag.
    LG Edith

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    1. Liebe Edith,
      danke dir von Herzen. Du sprichst etwas so Wichtiges an: Selbstfürsorge ist sehr oft leicht gesagt und manchmal schwer gelebt. Vor allem wenn Unverständnis von außen kommt und unser Gewissen lauter ist als unser eigenes Bedürfnis. In solchen Momenten kann die innere Entscheidung helfen: „Ich darf gut für mich sorgen – auch wenn es nicht jeder versteht.“ LG Judith

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  3. Liebe Judith,
    als ich Deinen Artikel gelesen habe, dachte ich: Mensch, der Artikel könnte über mich geschrieben worden sein! Es geht mir tatsächlich 1:1 so, konnte es aber nicht in Worte fassen ... Nur leider bietet mir mein Zuhause (noch) nicht den "Wohlfühl-Rückzugsort", den ich brauche. Aber ich bzw. wir arbeiten ja dran :-) ...
    Vielen Dank für diesen wertvollen Beitrag!
    Liebe Grüße Claudia

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  4. ... jetzt habe ich doch versäumt, meinen (ganzen) Namen anzugeben .... geschrieben hat hier Claudia Hebbelmann ;-)

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